Ästhetik Krankheiten Vorbeugung und Prävention

Akne – ein Thema, das (fast) alle betrifft

Fast 95% aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind davon betroffen: Akne.
Doch kaum einer weiß welche Faktoren es auslösen und was effektiv zur Vorbeugung und Behandlung dieser Hauterkankung beitragen kann.
 
Mit 22-32% ist Akne die führende dermatologische Diagnose und 1% aller ärztlicher Beratungen findet aufgrund von Akne statt [1]
Eine beachtliche Zahl und Grund genug dieses Thema etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
 

Was ist überhaupt Akne?

Akne ist eine von den Talgdrüsenfollikeln ausgehende Hauterkrankung und kann in verschiedenen Schweregraden, Krankheitsformen und Verläufen auftreten.
Während die meisten Patienten vor allem in derPubertät unter dieser Erkrankung leiden, so bleibt sie bei bis zu 12-15% über das 20. Lebensjahr hinaus bestehen.
 

Aber warum gerade in der Pubertät?

In der Pubertät ändert sich vieles im heranwachsenden Körper. So bewirken die Hormone (v.a. Testosteron) ein verstärktes Haar- und Bartwachstum und schnelleren Muskelaufbau. Nebenbei wird auch die Produktion von Talg stimuliert. Diese erhöhte Produktion bewirkt ein schnelleres Verstopfen der Talgdrüsen. Es entsteht eine Art Pfropf, der den Ausgang der Talgdrüse blockiert und dadurch den Ablauf des Talges verhindert. Der Talg wird jedoch immer weiter produziert – das Sekret staut sich, die Talgdrüse wird größer und ein Mitesser entsteht. Zusätzlich dazu kommt es zu einer Verhornungsstörung der obersten Hautschichten. Dies ist ein optimaler Nährboden für Bakterien und vor allem für einen Hautkeim: dem Propionibacterium acnes. Das P. acnes trägt zu einer Entzündung bei und es entstehen Papeln und Pusteln. Der Körper reagiert wie auf jede andere Entzündung mit Abwehrmechanismen. So wandern Entzündungszellen ein, die Haut wird rot und dick und schließlich wird das Gewebe zuerst ab und danach neu aufgebaut (ähnlich wie bei der Wundheilung).
 

Wie teilt man Akne ein?

Grundsätzlich kann Akne nach Form und nach Schweregrad eingeteilt werden.
Die Form unterscheidet sich durch die Art der Läsionen.

  • Bei der Akne comedonica kommt es zur Bildung der klassischen Komedonen (=Mitessern).
  • Die Akne papulopustulosa kann aus einer Akne comedonica entstehen, indem sich der Talg entzündet. Die Pusteln breiten sich dadurch ins umliegende Gewebe aus und es kommt zu den klassischen Knoten. Diese sind schmerzhaft und heilen oft nur noch narbig ab.
  • Bei der Akne conglobata entstehen die klassischen Mitesser, jedoch auch tiefe Verletzungen der Haut.

Beim Schweregrad zählt man die Läsionen (Komedone, Pusteln, Papeln oder Fisteln) auf einer Gesichtshälfte. Je mehr Läsionen desto schwerer die Akne.
Akne comedonica
Grad I   <10 Komedonen
Grad II  10-25 Komedonen
Grad III  26-50 Komedonen
Grad IV   >50 Komedonen
 
Akne papulopustulosa
Grad I  <10 Papeln/ Pusteln
Grad II   10-20 Papeln/ Pusteln
Grad III   21-30 Papeln/ Pusteln
Grad IV   >30 Papeln / Pusteln
 

Einfluss der Ernährung auf Akne

In den letzten Jahren hat man angenommen, dass ein großer Teil der Akne-Entstehung in der Ernährung begründet liegt. Leider gibt es zur Zeit noch keine groß angelegten und aussagekräftigen Studien, die dies belegen. In kleineren Studien wird vor allem hohe Insulinspiegel und das damit verbundene hohe IGF-1 Level im Blut mit Akne in Verbindung gebracht. IGF-1 soll mit der Talgdrüsenaktivität im Gesicht korrelieren. Daher empfiehlt es sich Hyperglykämische Nahrung (viel Zucker) sowie Milchprodukte (reich an Hormonen) zu meiden [2, 3] und vor allem auf eine frische, unverarbeitete und ausgewogene Ernährung zu setzen.
Interessant ist jedoch, dass Akne vor allem in Industrieländern epidemieartig auftritt. In Ländern, die sich zu einem großen Teil von Fisch und Früchten ernähren (Kitava-Inseln), kommt im Gegensatz dazu Akne nicht vor. Dies unterstreicht die Bedeutung der Ernährung in der Akne-Entstehung.
 

Was kann die Aknebildung außerdem begünstigen?

Ein großer Risikofaktor für die Bildung von Akne ist das Rauchen. Die Schwere der Akne steht in klarem Zusammenhang mit der Anzahl an gerauchten Zigaretten [4]. Das Grundprinzip ist einfach: im Zigarettenrauch sind pro-entzündliche Inhaltsstoffe enthalten. Diese verstärken die Entzündungsreaktion in den Talgdrüsen und es kommt leichter zur Bildung von Komedonen und Akne-Läsionen. Zusätzlich wird Akne durch die Einnahme von zahlreichen Medikamenten wie Cortison, Androgenen, Steroiden, manchen Vitaminen (B12, B6, … ), Antibiotika und Psychopharmaka begünstigt
 

Welche Hautveränderungen kommen bei Akne vor?

  • Filamente: weißliche Stifte, die sich bei Druck auf die Nasenspitze entleeren
  • Komedonen: =Mitesser, die durch Umwandlung eines Filamentes entstehen, Hornzellen umschließen hier Vellushaare und Talg; ein Komedone kann entweder geschlossen (weißliche Knötchen mit einer gespannten Pore) oder offen (erste entüngliche Veränderungen mit schwärzlicher Verfärbung) sein
  • Papeln und Pusteln: entzündliche Reaktion auf die Komedonen mit Einwanderung von Abwehrzellen und Verlagerung ins umliegende Gewebe
  • Abszedierende Knoten: eitriger oder blutiger Zusammenschluss von mehreren Papeln/Pusteln,
  • Fisteln: diese sind vor allem für einen schweren Akneverlauf typisch und stellen wulstförmige Stränge unter der Haut dar. Fisteln heilen sehr schlecht.

Wie therapiert man Akne?

Die Therapie der Akne ist sehr kompliziert- Grundsätzlich kann man ein so genanntes Stufenschema anwenden. Hierbei stehen einerseits topische Präparate (Cremen, Gels, Waschlotions… ) und andererseits systemische Medikamente (Tabletten) zur Verfügung . Je schwerer die Akne, desto systemischer wird auch die Therapie

Topische Therapie

Äußerlich kann die Akne mit Cremes, Gelen und verschiedenen Lösungen behandelt werden. Diese vermindern die weitere Entzündung und Ausbreitung der Akne.
Geeignete Wirkstoffe sind:

  •  Benzoylperoxid: Es wirkt in erster Linie bakterienabtötend. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass die Entzündung, die bei Akne entsteht nicht alleine durch die Bakterien entsteht, sondern auch ohne diese vorhanden ist. Also ist Benzoylperoxid ein gutes Präperat um Akne zu hemmen, jedoch nicht um es ganz verschwinden zu lassen. Vor allem in Stadium I+II kann Benzoylperoxid angewendet werden. Wichtig ist dabei, dass man 1-3x pro Tag BPO auf alle Akne-Stellen aufträgt. Ein bekanntest Präparat ist hier „Benzaknen“.
  • Antibiotika: Antibiotika haben die gleiche Wirkung wie Benzoylperoxid. Erythromycin, Clindamycin oder Tetracyclin bewirken eine Eindämmung der P.acnea und dadurch eine Besserung der Symptome. Antibiotika in Form von Cremen wird nie alleine empfohlen. Antibiotika dürfen nur als ZUSATZ zu anderen Maßnahmen angewandt werden (z.B. in Kombination mit Benzylperoxid). Gängig und gern verwendet ist z.B. Duac Akne Gel, eine Kombi aus BPO und Clindamycin.
  •  Retinoide: (Vitamin-A-Säure-Präparate) können bei allen Formen der Akne alleine oder in Kombinationspräparaten äußerlich angewendet werden. Sie wirken gegen die übermäßige Verhornung der Talgdrüsenausführungsgänge und reduzieren so die Bildung von Mitessern. Sie hemmen auch die Entzündung  und bewirken vor allem eine Ausdünnung der Hornschicht.. Man darf topische Retinoide nicht mit systemischen Retinoiden verge´leichen, denn topische werden heutzutage hauptsächlich zur erhaltungstherapie angweandt, systemische Retinoide jedoch bei schweren Akneformen zur Therapie. Als topisches Retinoid ist Tretinoin bzw Adpalen in verschiedenen Konzentrationen im Handel erhältlich. Ein typisches Präparat ist zb. „Differin“. In Komnbi mit BPO finden sich Retinoide z.B. im Epiduo Gel.
  •  Azelainsäure: reduziert die Verhornung der Talgdrüsen, ist entzündungshemmend und wirkt antibakteriell. Der Handelsname ist hier „Skinoren“ – diese gibt es in 15%iger Konzentration als Gel (eher leicht) und in höherer Dosierung (20%) als Creme, diese ist dann fettiger. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Gel trotz leichterer Dosierung besser vertragen wird.

 

Systemische Therapie

Unter systemischer Therapie fässt man alle Medikamente zusammen, welche man oral einnimmt und die dann auf den ganzen Körper wirken. Hier gibt es vor allem drei große Substanzgruppen: Antibiotika, Isotretinoin und bei Frauen orale Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille). Fangen wir letzterem an.

  • Orale Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille):

    Wie du in einem der ersten Absätze bereits lesen konntest, sind in der Pubertät u.a. ein Zubiel an männlichen Hormonen Schuld an der Ausprägung von Akne. Die „Pille“ setzt hier neben der empfängnisverhütenden Wirkung auch bei der Aknetherapie an, denn sie bringt dem Körper mehr weibliche Hormone, womit die Androgene unterdrückt werden und auch die Akne besser werden kann. Die „Pille“ als solches wird jedoch nicht zur Monotherapie bei einer unkomplizierten Akne empfohlen und am meisten in Kombi mit topischen Medikamenten und/oder systemischen Retinoiden verwendet.

  • Antibiotika:

    Die orale Einnahme von Antibiotika setzt an der Verminderung der Besiedlung der Talgdrüsen mit dem Bakterium P. acnes an und hemmt außerdem entzündungsgetriggerte Mechanismen der Akne-Entstehung. Aufgrund einer Vielzahl an verschiedenen Antibiotika, aber nur wenigen aussagekräftigen Studien bzgl. deren Wirksamkeit wird die Gabe immer genau abgewogen und hat aktuell nicht mehr den größten Stellenwert in der Aknetherapie.

  • Orales Isotretinoin:

    Das wohl härteste aber auch wirksamste Akne-Medikament: Isotretinoin oder auch Vitamin A. Es ist das einizge aktuell erhältliche Medikament, welche alle Faktoren der Akne-Entstehung beeinflusst. Während es die Bildung von Mitessern verhindert und die Größe der Talgdrüsen reduziert, hemmt es auch die Talgproduktion und bewirkt einen Rückgang der Entzündung durch eine indirekte Verminderung der Bakterienanzahl.
    Weiterhin soll Isotretinoin auch zur Neubildung und Normalisierung der Haut beitragen und hat durch seinen starken Effekt die Behandlung von Akne revolutioniert. Dennoch ist hier Vorsicht geboten, denn Isotetinoin bringt auch zahlreiche Nebenwirkungen mit sich: psychische Veränderungen, Erhöhung der Blutfette, Leber- und Nierenwerte, Knochen-und Gelenkschmerz sowie trockene Lippen. Außerdem ist Isotretinoin stark teratogen, d.h. fruchtschädigend im Falle einer Schwangerschaft.
    Während der Therapie muss bei jungen Frauen besonders auf eine ausreichende (und ggf. doppelte) Empfängnisverhütung geachtet und regelmäßige Schwangerschaftstests durchgeführt werden.
    Trotz der vermeintlich zahlreichen und stark erscheinenden Nebenwirkungen ist Isotretinoin in der richtigen Dosierung ein sicheres und v.a. erfolgreiches Medikament. Die Dosierung wird heutzutage viel niedriger als noch früher gewählt und somit können viele Nebenwirkungen umgangen werden. Studien zeigen, dass bereits nach 4 Wochen mit einer Reduktion der Pusteln um bis zu 50%gerechnet werden kann. Lediglich bei 1/3 der Patienten kommt es nach einer Therapie mit Isotretinoin zum Rückfall.
    Viele Dermatologen und Akne-Zentren wenden mittlerweile Isotretinoin mit dem Motto „Hit hard & Hit early“ bereits bei mittelschweren Akne-Formen erfolgreich an. Interessant ist auch, dass vor allem in arabischen Ländern und auch bei zahlreichen Hollywood-Stars dieses Medikament für einen glatten und ebenmässigen Teint zur Hautbildverfeinerung verwendet wird. Dafür ist es in Deutschland allerdings nicht zugelassen.

Interessant für dich ist vielleicht noch, dass bei fast allen Akne-Medikamenten nach 3-6 Wochen eine Erstverschlechterung eintritt. Ist diese überwunden, so geht es dann meist stetig bergauf.
 

Fazit:

Wie du siehst ist die Akne ein sehr komplexes und individuelles Thema. Um diese richtig zu behandeln solltest du frühzeitig einen Dermatologen konsultieren. Dieser wird die für dich beste Therapie festlegen.
Hast du noch Fragen dazu? Wir freuen uns dir diese zu beantworten. Schaue dazu auch gern auf unserem Instagram-Account vorbei: @doctor.aesthetics
Marie und Matthias
 
Wir möchten darauf hinweisen, dass dieser Artikel nur die gängigsten Akne-Therapien darstellt und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Zusätzlich ist dies keine Therapieempfehlung!
 
Neben unserem klinischen Wissen haben wir für diesen Artikel u.a. folgende Quellen verwendet.

  1. Nast, A., C. Bayerl, and C. Borelli. „S2k-Leitlinie zur Behandlung der Akne.“ J Dtsch Dermatol Ges 8.S2 (2010): 1-59.
  2. Danby, F. William Bill. „Acne: Diet and acnegenesis.“ Indian dermatology online journal1 (2011): 2.
  3. Smith, Robyn N., et al. „A low-glycemic-load diet improves symptoms in acne vulgaris patients: a randomized controlled trial.“ The American journal of clinical nutrition1 (2007): 107-115.
  4. Schafer T, Nienhaus A, Vieluf D, Berger J, Ring J. Epidemiology of acne in the general population: the risk of smoking. Br J Dermatol. 2001; 145: 100-4.
  5. Leyden JJ, Del Rosso JQ. Oral Antibiotic Therapy for Acne Vulgaris: Pharmacokinetic and Pharmacodynamic Perspectives.The Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology. 2011;4(2):40-47

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